Wertschöpfung je Stunde in der Nachkalkulation

Die Wertschöpfung zeigt, was Ihr Betrieb mit eigener Arbeit erwirtschaftet: den Umsatz abzüglich all dessen, was Sie für den Auftrag von außen eingekauft haben. Bezogen auf Ihre geleisteten Stunden ergibt sich daraus die Wertschöpfung je Stunde – die Kennzahl, an der Sie ablesen, was eine Arbeitsstunde tatsächlich einbringt.

Warum diese Kennzahl aussagekräftiger ist als der Umsatz je Stunde

Beim Umsatz je Stunde verzerrt teures Material das Bild. Ein Auftrag mit hohem Materialanteil sieht dann sehr ertragreich aus, obwohl der Betrieb an der durchgereichten Ware kaum verdient. Die Wertschöpfung rechnet den Fremdbezug heraus und macht Aufträge damit vergleichbar – unabhängig davon, wie materialintensiv sie waren.

Der verbleibende Betrag muss Ihre Löhne, Ihre Gemeinkosten und Ihren Gewinn decken. Vergleichen Sie die Wertschöpfung je Stunde deshalb mit Ihrem Einkaufs-Stundensatz zuzüglich der Gemeinkosten je Stunde: Liegt sie darunter, trägt sich der Auftrag nicht.

Wo Sie die Wertschöpfung finden

Die Kennzahl erscheint an zwei Stellen im Verwaltungssystem:

  • Für ein einzelnes Projekt: Öffnen Sie das Projekt und wechseln Sie auf den Reiter "Kalkulation/Stundenstand". In der zweiten Kachelzeile steht neben "Kosten" und "Marge" die Kachel "Wertschöpfung / Std.".
  • Für alle Projekte zusammen: Im Menü unter Projekte → "Projekt-Controlling". Dort gibt es die Gesamt-Kachel "Wertschöpfung / Std." sowie in der Projekttabelle die Spalte "Wertschöpfung/Std.", nach der Sie Ihre Projekte sortieren können.

Kachelzeile der Nachkalkulation mit Kosten, Marge und Wertschöpfung je Stunde

So wird gerechnet

Vom Umsatz werden die eingekauften Vorleistungen abgezogen. Das Ergebnis wird durch Ihre eigenen geleisteten Stunden geteilt:

  • Umsatz
  • abzüglich Material zum Einkaufspreis
  • abzüglich Fremdleistungen (Subunternehmer sowie weitere auftragsbezogene Fremdrechnungen)
  • ergibt die Wertschöpfung
  • geteilt durch die eigenen geleisteten Stunden ergibt die Wertschöpfung je Stunde

Ein Beispiel: Sie rechnen einen Auftrag mit 8.550 € ab. Darin stecken Material für 5.000 € Einkaufspreis und eine Subunternehmer-Rechnung über 500 €. Ihre Mitarbeiter haben 50 Stunden auf dem Projekt erfasst.

  • 8.550 € − 5.000 € − 500 € = 3.050 € Wertschöpfung
  • 3.050 € ÷ 50 Stunden = 61 € je Stunde

Wichtig: Abgezogen wird immer nur der Einkaufspreis. Ihr Aufschlag auf Material und Fremdleistungen bleibt in der Wertschöpfung enthalten – auch das ist Leistung Ihres Betriebs. Ebenso enthalten bleiben Ihre eigenen Maschinen und Fahrzeuge, denn das sind eigene Betriebsmittel und kein Fremdbezug.

Unterschied zur Marge

Beide Kennzahlen stehen nebeneinander, beantworten aber verschiedene Fragen:

  • Die Marge ist Umsatz abzüglich aller echten Kosten, also einschließlich Ihrer Personalkosten. Sie zeigt, was unter dem Strich übrig bleibt.
  • Die Wertschöpfung zieht nur den Fremdbezug ab und lässt die eigenen Personalkosten bewusst stehen. Sie zeigt, wie viel Geld überhaupt zur Verfügung steht, um Löhne und Gemeinkosten zu decken.

Welche Stunden gezählt werden

Im Nenner stehen die Stunden, die Ihr Betrieb selbst geleistet hat. Einige Sonderfälle sind dabei berücksichtigt:

  • Subunternehmer-Stunden, die Sie über die Zeiterfassung mit dem Haken "In Nachkalkulation einrechnen" erfassen, zählen nicht als eigene Stunden – sie sind Fremdleistung.
  • Nachgetragene eigene Stunden zählen dagegen mit, auch wenn sie über dieselbe Erfassung eingetragen wurden.
  • Ist der Schalter "Regie/Rapport gesondert ausweisen" aktiv, werden die Regie-Stunden zusammen mit dem zugehörigen Umsatz herausgerechnet, damit beide Seiten zusammenpassen.
  • Bei Pauschal-Projekten wird die volle Stundenzahl herangezogen, weil auch der Festpreis ungeteilt als Umsatz zählt.

Sind für ein Projekt keine eigenen Stunden erfasst, zeigt das System statt eines Stundenwerts einen Strich beziehungsweise nur den Gesamtbetrag an.

Die Einstellung "Sonstige Eingangsrechnungen"

Eingangsrechnungen tragen eine Kostenart: Material, Subunternehmer oder Sonstige. Material und Subunternehmer werden immer als Vorleistung abgezogen. Bei der Kostenart "Sonstige" entscheiden Sie selbst, denn dort sammeln sich je nach Betrieb sehr unterschiedliche Belege:

  • Schalter an (Standard): passend, wenn Sie dort auftragsbezogene Fremdleistungen erfassen – etwa Arbeitsbühnen- oder Gerüstmiete, Container oder Entsorgung. Diese Positionen gehören fachlich zu den Vorleistungen.
  • Schalter aus: passend, wenn Sie dort auch Betriebskosten einem Projekt zuordnen – etwa Software-Abonnements, Versicherungen oder Schulungen. Solche Kosten sind keine Fremdleistung; sie würden die Wertschöpfung sonst zu niedrig erscheinen lassen.

Sie ändern die Einstellung im Projekt auf dem Reiter "Kalkulation/Stundenstand" über das Zahnrad-Symbol in der Leiste oberhalb der Kacheln. Die Einstellung gilt für Ihren gesamten Betrieb und kann nur von Vorgesetzten geändert werden.

Fenster Einstellungen Wertschöpfung mit dem Schalter für sonstige Eingangsrechnungen

Häufige Fragen

Warum sehe ich die Kachel nicht?
Die Wertschöpfung erscheint nur, wenn für das Projekt echte Einkaufskosten vorliegen. Hinterlegen Sie dafür die Einkaufs-Stundensätze unter Stammdaten → Mitarbeiterfunktionen sowie Einkaufspreise im Materialstamm. Im Projekt-Controlling benötigen Sie zusätzlich die Berechtigung für das Projekt-Controlling.

Warum ist meine Wertschöpfung negativ?
Dann haben Sie für das Projekt mehr an Material und Fremdleistungen eingekauft, als bisher abgerechnet wurde. Das ist bei laufenden Projekten normal, solange die Schlussrechnung noch aussteht. Prüfen Sie zusätzlich, ob unter "Sonstige" Belege liegen, die keine Fremdleistung sind.

Warum weicht die Stundenzahl in der Kachel von der Stunden-Kachel oben ab?
Das kommt vor, wenn Subunternehmer-Stunden eingerechnet sind: Diese zählen oben zu den geleisteten Stunden, für die Wertschöpfung je Stunde aber nicht, weil sie keine eigene Arbeitsleistung sind.

Wie kommt der Gesamtwert im Projekt-Controlling zustande?
Aus den Summen aller ausgewählten Projekte: Gesamt-Wertschöpfung geteilt durch die Gesamtstunden. Es ist bewusst kein Mittelwert der einzelnen Projektwerte, weil sonst ein kleines Projekt mit wenigen Stunden das Gesamtbild verzerren würde.

Welcher Wert ist ein guter Wert?
Das hängt von Ihrem Betrieb ab. Als Orientierung dient Ihr Einkaufs-Stundensatz zuzüglich der Gemeinkosten je Stunde: Alles darüber trägt zum Gewinn bei. Aussagekräftig wird die Kennzahl vor allem im Vergleich Ihrer eigenen Projekte untereinander – sortieren Sie dazu im Projekt-Controlling nach der Spalte "Wertschöpfung/Std.".

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